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Gedenken an 80 Jahre Kriegsende – Rückblick auf die Aktivitäten des Jahres 2025

Veröffentlicht: 22.12.2025 / Aktualisiert: 22.12.2025

2025 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Für das Mitmach-Raum-Tagebuch hatte dies eine besondere Bedeutung. Unsere Aktivitäten dienten in diesem Jahr vor allem der stärkeren Bekanntmachung des Vorhabens. Wesentlich war dabei ein Projekt in der 2. Jahreshälfte, welches durch Förderung der Kulturstiftung Sachsen möglich wurde.

Vorträge und Publikation in der ersten Jahreshälfte

Doch auch schon vorher gab es Aktivitäten, um das Projekt in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Bereits am 6. Mai 2025 stellte André Kaiser, Ortsvorsteher und Ortschronist von Kurort Hartha, das Mitmach-Raum-Tagebuch in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden vor (> Resumee des Abends). Der Vortrags- und Gesprächsabend war Teil der Veranstaltungsreihe „Erinnerungen 1945|2025“ des Dresdner Geschichtsverein e. V. anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges. Schon zu Beginn des Jahres hatte André Kaiser einen Text zum Projekt im Themenheft „Erschütterungen. Kriege und ihre Folgen für Dresden“ der Geschichtszeitschrift „Dresdner Hefte“ veröffentlicht, die ebenfalls vom Dresdner Geschichtsverein e. V. herausgegeben wird.

Wir haben uns sehr gefreut, das Projekt so umfassend in Dresden präsentieren zu können, da es enge Bezüge der dortigen Ereignisse zum Ende des Zweiten Weltkrieges zum Geschehen im Tharandter Wald gab, was sich in insgesamt 20 Beiträgen des Raum-Tagebuchs widerspiegelt. Insbesondere nach den gravierenden Bombenangriffen und der Zerstörung Dresdens am 13. Februar flüchteten unzählige Menschen in die Orte des Tharandter Waldes. Eine weitere Folge der Zerstörung der Stadt war die Verlegung verschiedener Einrichtungen in die Gegend. Am bedeutsamsten war die Verlegung des Sächsischen Regierungssitzes, der Reichsstatthalterei, von Dresden auf den Sächsischen Jägerhof Grillenburg im Zentrum des Tharandter Waldes.

Cover der Dresdner Hefte 161 und Auszug aus dem Beitrag von André Kaiser.

Im 2. Halbjahr 2025 wurde in Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein „Tharandter Wald“ e. V. / André Kaiser ein weiteres Projekt zur Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung des Mitmach-Raum-Tagebuchs entwickelt. Eine Förderung durch die Kulturstiftung Sachsen ermöglichte seine Durchführung.

Vortrags- und Gesprächsveranstaltung zur Schlossinsel Grillenburg am 25. November 2025

Erster Teil des Förderprojektes war die Erarbeitung einer Vortrags- und Gesprächsveranstaltung zur Schlossinsel Grillenburg. An diesem geschichtsträchtigen Ort, der zum gemeinsamen Tagungszentrum der TU Dresden mit den Lehr- und Forschungseinrichtungen des Freistaates Sachsen umgebaut wird, befand sich Anfang 1945 der Interimssitz der Sächsischen Landesregierung mit schwerwiegenden Folgen für die lokale Bevölkerung. Die Veranstaltung fand am 25. November 2025 im Veranstaltungsraum im Dorfgemeinschaftshaus Grillenburg statt, der mit über 40 Personen voll besetzt war. Die Gäste kamen vorwiegend aus den umliegenden Orten, teils aber auch Interessierte aus Dresden.

Ein Vortrag von Anke Binnewerg zu den Ereignissen des Kriegsendes in Grillenburg leitete den Abend ein. Im Zentrum standen neue Erkenntnisse über den Ausbau der Grillenburger Schlossinsel zum Sächsischen Jägerhof unter dem Reichsstatthalter Martin Mutschmann zwischen 1935 und 1942 auf Basis von Recherchen im Sächsischen Hauptstaatsarchiv. Der Ausbau umfasste neben der Sanierung des Schlosses, diversen Neubauten und jagdlichen Anlagen im Wald auch aufwendige Arbeiten zur Neuanlage von Teichen, die wesentlich durch Strafgefangene und Kriegsgefangene in Zwangsarbeit geleistet werden mussten. Die Existenz des Sächsischen Jägerhofes, der nach der Bombardierung Dresdens als Sitz der Landesregierung diente, war neben der strategisch bedeutenden Lage Grillenburgs mitten im Tharandter Wald wichtiger Grund dafür, dass dort nach Kriegsende eine Kommandostelle der roten Armee entstand und sowjetische Einheiten den kleinen Ort wiederholt regelrecht überrollten. (> Beiträge zu den Ereignissen in Grillenburg)

Im zweiten Teil des Abends ging André Kaiser, Ortschronist und Ortsvorsteher von Kurort Hartha, auf die Nutzungen und Veränderungen der Gebäude auf der Schlossinsel Grillenburg nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein. So diente das Jagdschloss zunächst als FDGB-Schulungsheim und ab den 1960er Jahren als Standort der Forstlichen und Jagdkundlichen Lehrschau der Technischen Universität Dresden, Fachrichtung Forstwissenschaften Tharandt. Das „Neue Jägerhaus“ diente nach Kriegsende bis 1990 als Kurheim „Elsa Fenske“ der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Viele Ausstattungselemente von Anlage und Gebäuden, zu denen neben Bronzeplastiken im Schlosspark, Sandsteinfiguren und speziellem Mobiliar im Schloss auch aufwändige Intarsienarbeiten der Deutschen Werkstätten Hellerau im „Neuen Jägerhaus“ gehörten, befinden sich mittlerweile an anderen Orten, wurden entwendet oder zerstört.

An die Vorträge schloss sich eine rege Frage- und Gesprächsrunde an, wobei das Hauptinteresse den aktuellen Planungen zum Tagungszentrum galt. Im Nachhinein gab es noch diverse individuelle Rückfragen, die das Mitmach-Raum-Tagebuch und Ereignisse in anderen Orten betrafen.

Veranstaltung zur Schlossinsel Grillenburg am 25. November 2025. Links Eingangsfolie der Präsentation, rechts André Kaiser und Anke Binnewerg bei der abschließenden Frage- und Gesprächsrunde. Fotografie Susanne Petzold, 2025.

Erweiterung der Gedenkhinweise um zwölf Standorte

Zweiter Teil des Förderprojektes war die Erarbeitung und Anbringung weiterer Gedenkhinweise. Dabei handelt es sich um kleine Schilder, die über wichtige Orte aus dem „Mitmach-Raum-Tagebuch“ informieren, diese im öffentlichen Raum markieren und via QR-Code zu den entsprechenden Beiträgen führen.

Nachdem auf Initiative von André Kaiser und Widmung durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein „Tharandter Wald“ e. V. bereits 2024 ein Gedenkhinweis in Grillenburg und fünf dieser Hinweise in Kurort Hartha realisiert wurden, folgten nun zwölf weitere Tafeln. Nunmehr gibt es diese auch in Spechtshausen, Fördergersdorf und im Tharandter Wald. Inhaltlich thematisieren sie ganz verschiedene Aspekte der letzten Wochen des Endes des Zweiten Weltkrieges, angefangen bei der Militarisierung der Orte und den Einsatz von Jugendlichen beim deutschen Militär, über Todesmärsche aus KZ-Außenlagern bis hin zu Kampfhandlungen in den Orten, Fluchten der Bevölkerung und das Geschehen nach Kriegsende (> Beitrag zum aktuellen Stand der Gedenkhinweise)

Ab 2026 soll die Anbringung von Gedenkhinweisen unter anderem in Tharandt weitergeführt werden.

Links: Karte aller Gedenkhinweise im Dezember 2025. Rechts: Neu angebrachter Gedenkhinweis (Nr. GB02) an einem Wegweiser in Grillenburg bei der Frauensteiner Straße.

Weitere Ereignisse des Jahres 2025

Das Jahr 2025 brachte ein Wiedersehen mit dem Autor und Verleger Matthias Schildbach, der das Mitmach-Raum-Tagebuch von Beginn an durch wertvolle Informationen und Bereitstellung seiner Materialsammlung maßgeblich unterstützt hatte. Anlass war sein 2025 publiziertes Buch, „Der vergessene Angriff: Die Luftkriegsereignisse des 17. April 1945 in Sachsen und Böhmen“. Darin werden die Angriffe einer gewaltigen amerikanischen Bomber- und Jagdfliegerflotte auf Sachsen und Böhmen thematisiert. Mit dem Beschuss von Zügen und Bahnanlagen in Tharandt, Edle Krone und am Seerenteich sowie der Ermordung eines Bomberpiloten in Mohorn war auch das Areal des Tharandter Waldes von den Ereignissen dieses Tages betroffen. Bei der gut besuchten Buchvorstellung am 9. April im Rahmen des „Mehrgenerationen-Stammtisches 99“ in Kirchners Gaststätte in Kurort Hartha schilderte der Autor diese tragischen Ereignisse, bei denen mehr als 1.300 Menschen starben. Seine Erkenntnisse sollen in das Raum-Tagebuch einfließen.

Weitere Erkenntnisse zum Kriegsgeschehen im Tharandter Wald erhielt das Projekt durch Zuarbeiten und Hinweise aus der Bevölkerung. So enthielt die Arbeit einer Schülerin über ein Gebäude am Buchenweg in Kurort Hartha wichtige und bislang unbekannte Informationen über den Tod einer Mutter und ihres sechsjährigen Sohnes, der nach neuestem Stand mutmaßlich durch Beschuss der Roten Armee verursacht wurde. Parallel gab es eine Anfrage von einer Angehörigen der beiden aus Hessen mit der Zusendung einer privaten Fotografie der zwei Opfer. Die Anfrage eines Tharandters führte zum bislang unbekannten Schicksal einer Harthaer Familie, deren Mitglieder offenbar am Ende des Krieges durch die Rote Armee ermordet wurden. Von Angehörigen eines Dresdner Arztes, der nach Februar 1945 mit seiner Frau zeitweilig in Grillenburg unterkam, erhielten wir eine weitere Anfrage. Im Sommer konnten wir uns mit drei Mitgliedern dieser Familie, die heute in Spanien lebt, in Grillenburg treffen. Der Austausch über die tragische Geschichte des Ehepaars, das sich aufgrund der Drangsalierungen durch die Rote Armee gemeinsam das Leben nahm, war sehr bewegend. Der Erhalt von Tagebuchauszügen brachte viele neue Erkenntnisse. All diesen Schicksalen soll 2026 weiter nachgegangen werden.

Im Oktober waren wir erschüttert über den Unfalltod von Professor Dr. Dr. Wienhaus aus Tharandt. Er war nicht nur ein wichtiger Zeitzeuge, sondern gewährte uns auch Einblicke in die Aufzeichnungen seines Vaters aus der Zeit des Kriegsendes, und unterstützte uns mit Rat und Tat. Wertvoll waren auch seine eigenen Forschungen, etwa zur kriegsbedingten Verlegung des Beilstein-Verlages von Berlin nach Tharandt, die Grundlage eines eigenen Beitrages im Raumtagebuch wurden. Die bereichernden Begegnungen mit Professor Dr. Dr. Wienhaus werden uns in Erinnerung bleiben.