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Dramatische Rettungsaktionen zwischen Dresden, Herzogswalde und Kurort Hartha am 13. und 14. Februar 1945

Veröffentlicht: 13.11.2022 / Aktualisiert: 16.02.2024

Eine Harthaer Zeitzeugin, Jahrgang 1931, berichtet von einer dramatischen Rettungsaktion nach der Bombardierung Dresdens. Sie lebte zu der Zeit mit ihrer Mutter in einer Wohnung mit fünf einquartierten Menschen, der Vater war an der Front. In den anderen Wohnungen des Hauses befanden sich ebenfalls nur Frauen und Kinder sowie einquartierte Menschen.1

Die Zeitzeugin hatte schon vorher einige Male auf dem Heimweg von der Schule in Tharandt nach Hartha, der über den Buchenweg führte, bombenbeladene Flieger gesehen. Mehrmals gab es auf der Strecke Fliegeralarm, bei dem sich die Harthaer Kinder in die Bäume am Hang flüchten mussten. Während des großen Angriffs auf Dresden standen sie dann die ganze Nacht draußen, sie sahen das Feuer, den roten Himmel.2

Vom nächsten Tag berichtet die Zeitzeugin dramatisches: „Meine Mutter ist dann am anderen Tag […], die ist dann nach Dresden gelaufen zu ihrem Bruder, der war bettlägerig. Den hat die mit noch jemandem in einen Leiterwagen gesetzt, Bettzeug drauf, dort [am Wohnort des Bruders] waren keine Bomben gefallen, sind die dann von Dresden nach Herzogswalde gelaufen. Hat sie ihn bei Verwandten untergebracht […]“. Doch damit war die Rettungsaktion ihrer Mutter noch nicht zu Ende, so die Zeitzeugin weiter: „[…] und ist dann in der Nacht, weil sie Angst um mich hatte und weil man nicht wußte, ob in der nächsten Nacht wieder was war, ist sie dann von Herzogswalde über den Landberg noch hierüber gelaufen.“3 Ihre Mutter hatte also am 14. Februar und in der darauffolgenden Nacht von Hartha mitten ins brennende Dresden, dann bis Herzogswalde und wieder nach Hartha zurück gut 40 Kilometer mit einem Leiterwagen zurückgelegt, teils beladen mit ihrem Bruder. Die Entschlusskraft und der Mut dieser Frau sind beeindruckend. Sie war zu dieser Zeit auf sich allein gestellt, musste ihr Kind versorgen und hatte die Wohnung voller fremder einquartierter Leute. Zudem war sie dienstverpflichtet als Waldarbeiterin und täglich im Einsatz.

Durch die Flucht nach Herzogswalde rettete sich auch eine junge Dresdnerin und fand Aufnahme im Haus von Bekannten ihres Mannes. Eine damals dreijährige Zeitzeugin erinnerte sich später, was darüber in ihrer Familie erzählt wurde: „Frau W. war damals Gesangsstudentin an der Musikhochschule in Dresden. Am Abend des 13. Februar, am Faschingsdienstag, war sie auf einer Faschingsveranstaltung ihrer Hochschule. Als die ersten Bomben fielen, sind alle Studenten in den Keller geflohen. Danach brannte Dresden schon. Frau W. rannte, (in ihrem dünnen Sommerkleidchen) zu ihrem Haus, das war bereits den Bomben zum Opfer gefallen. Dann rannte sie zur Wohnung ihrer Eltern — dasselbe. Von den Eltern keine Spur. Danach kam der zweite Angriff, bei dem auch noch der Bruder mit Familie betroffen war. Ohne Habseligkeiten und verdreckt kam sie in Herzogswalde an. Sie war die ganze Strecke schnell gelaufen, fast 20 Kilometer und dünn angezogen. Es war ja noch Winter. Sie blieb fast ein Jahr.“4

Die heutige B 173 in Herzogswalde. Auf dieser Straße kam die junge Dresdnerin in den Ort und auch die Frau aus Hartha nutzte sie mutmaßlich zur Rettung ihres Bruders bis hierher. Fotografie 2023.

Anmerkungen
1.–3. Interview Ehepaar Müller 2022. /// 4. Faust 1992, S. 10.